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Aktivitätsmessung – eine Berurteilung der Aktivuhr Polar AW200

Polar AW200

Polar bietet mit der AW200 eine Uhr an, die den Grad der Aktivität ermitteln soll. Das System basiert jedoch nicht auf der Messung der Herzfrequenz. Sie ist also keine Pulsuhr, wie sie im Breitensport vielfach schon verwendet wird, um effizient zu trainieren und die Leistung zu steigern. Hobby- oder Leistungssportler, die typischen Kunden von Polar-Uhren werden somit weniger angesprochen.

Vielmehr richtet sich die Uhr an Menschen, die einen Indikator für ihr Bewegungspensum im Alltag haben wollen und ihre Gesundheit oder Fitness verbessern wollen. Wissen Sie, wieviele Schritte Sie an einem durchschnittlichen Arbeitstag oder am Wochenende zurücklegen? Und wieviel Zeit verbringen Sie überhaupt in Bereichen, die für die Gesundheit förderlich sind?Dass Bewegung gesund ist und fit hält, das wissen die meisten von uns.Aber nicht jeder möchte oder kann mit Pulsuhr “bewaffnet” in einem definierten Pulsbereich trainieren.

Die Aktivuhr arbeitet mit einem Beschleunigungssensor und kann damit Bewegungsmuster bzw. Schritte erkennen.Eine Aktivität wird erst aufgezeichnet, wenn sich der Arm regelmäßig schwingend bewegt. Nicht rhythmische Bewegungen des Arms (wie sie z.B.am Schreibtisch erfolgen) werden erkannt, aber nicht als Aktivität gewertet. Aufgrund von Stärke und Schnelligkeit der Armbewegung wird die Intensität der Bewegung erfasst. Dabei wird zwischen fünf Stufen unterschieden, vom langsamen Gehen bis zum schnellen Laufen. Zusätzlich wird der Kalorienverbrauch ermittelt.

Ich habe verschiedene Tests durchgeführt. Die Aktivitätszonen wechselten bei folgenden Geschwindigkeiten (gemessen auf dem Laufband):

  1. Zone: unter 4 km/h (langsames Gehen)
  2. Zone: bis 5 km/h (Gehen, mittlere Geschwindigkeit)
  3. Zone: bis 6 km/h (schnelles Gehen)
  4. Zone: bis 10 km/h (Laufen, mittleres Tempo)
  5. Zone: über 10 km/h (Laufen, schnelleres Tempo)

An einem typischen Bürotag verbrauche ich laut Aktivuhr etwa 1300kcal und lege zwischen 1.500 und 2.500 Schritte zurück (etwa eine halbe Stunde in Zone 1). Zu wenig, als dass es für meine Gesundheit förderlich wäre. Dafür muss ich mich also bewusst bewegen (Jogging).Beim Joggen im Freien bewegte ich mich zum Großteil in Zone 4, bei extensiven Intervallen in der höchsten Zone 5. Steigung und Gefälle werden dabei durch den eingebauten Höhenmesser mitberücksichtigt und zeigen sich im Kalorienverbrauch . Dieser bewegte sich zwischen 550 kcal/h und 850 kcal/h für mein Körpergewicht, je nach Steigung.

Die Empfehlung des deutschen Bundesgesundheitsministerium lautet 3.000 Schritte extra. Polar empfiehlt, sich 3- bis 5-mal pro Woche 30 Minuten bewegen oder mindestens 7.000 Schritte zurücklegen. Dabei profitiert man auch schon bei Bewegung in Zone 2 (Gehen bei angenehmer Geschwindigkeit). Idealerweise liegen diese 30 Minuten jedoch in Zone 3 oder 4.

Positiv aufgefallen ist mir:

  • Die Uhr sieht nicht nach einer typischen Multifunktions- oder Pulsuhr aus, das Design macht auch im Alltag eine gute Figur.
  • Als Aktivitätsindikator für das täglich empfohlene Bewegungspensum von 7.000 Schritten oder 30 bis 60 Minuten Aktivität ist die Uhr gut geeignet.
  • Der aktuelle Kalorienverbrauch gibt zusätzlich Feedback über den Grad der Aktivität, bspw. beim Treppensteigen.
  • Lediglich die Uhr ist für die Erfassung der Aktivität notwendig, also kein Brustgurt.
  • Die Verarbeitung ist solide. Das Gehäuse aus Metall und das Glas halten auch härteren Beanspruchungen stand.

Weniger gut gefallen hat mir:

  • Wieviel Zeit man in welcher Zone verbracht hat, kann man erst einsehen, nachdem man die Messung beendet hat.
  • Die Bedienung der Uhr ist nach einer Einlernphase nicht schwierig, könnte aber einfacher und intuitiver sein. Um z.B. die Aktivitätszonen der letzten Einheit oder den Kalorienverbrauch einzusehen, sind mindestens sieben Mal verschiedene Knöpfe zu drücken.
  • Durch das Kunststoffarmband neigt man zum Schwitzen, nicht nur beim Sport.
  • Das eingebaute Thermometer funktioniert nur, wenn sich die Uhr nicht am Handgelenk befindet. Ansonsten zeigt es durch die Hauttemperatur einen zu hohen Wert an. Warum ist der Sensor an der Unterseite der Uhr angebracht?
  • Die Uhr zeigt entweder den Grad der Aktivität inkl.Kalorienverbrauch an oder die Uhrzeit. Beides gleichzeitig ist nicht möglich (macht das Umschalten zwischen den Bereichen notwendig).

Sonstige Fakten zum Gerät:

  • Speicherung der letzten neun (9) Aufzeichnungen (älteste werden überschrieben).
  • Wasserdicht bis 50 m.
  • Der Höhenmesser kann auch als Barometer verwendet werden.

Für mich als ambitionierten Sportler (Jogging, Mountainbiking,Inline-Skating) ist die Uhr nicht das richtige Instrument: ich könntesie nur zum Jogging verwenden. Dafür sind mir die Aussagen für Trainingsfortschritte aber zu wenig präzise.Eine Möglichkeit zur Auswertung via Software mit Übertragung auf einenPC (am besten drahtlos) wäre ein toller Mehrwert. Dann wäre auch eineEinbindung in Systeme im Umfeld des Ambient Assisted Livingnaheliegend. Besonders für ältere Menschen ist Bewegung wichtig zurErhaltung der Gesundheit. Die Bedienung der Aktivuhr und dieInterpretation der Daten direkt von der Uhr stellt sich jedoch für diese Zielgruppe als Barriere heraus.

Tom Ulmer am 23.02.2009 um 14:41 Uhr

Nintendo Wii begeistert Senioren

Wii ist der Name einer Spielkonsole von Nintendo mit einem neuartigen Bedienkonzept. Die Steuerung erfolgt über einen Controller mit eingebautem Beschleunigungssensor. Damit können Hand- und Armbewegungen erfasst werden, was eine intuitive Steuerung von Spielen ermöglicht. In der Grundausstattung der Konsole ist eine Sammlung von Sportspielen enthalten, welche dieses Konzept konsequent aufgreifen. So wird beim Tennis durch die Armbewegung Vor- und Rückhandspiel möglich und man kann Geschwindigkeit, Höhe und Spin des Balls bestimmen. Man bewegt den Controller wie einen Tennisschläger. Ebenso gleicht beim Bowling der Bewegungsablauf der echten Sportart, inklusive Anlauf, wenn man will. Wie das genau aussehen kann, zeigt der Wii-Trailer:

Dieses Bowling ist es auch, das derzeit in vielen Seniorenheimen für Spaß und Bewegung sorgt. In den USA werden gar Senioren-Turniere abgehalten. Eine 84-jährige Dame hat jüngst eines dieser Turniere gewonnen, wie die OÖNachrichten schreiben. Auch die Amerikanische Rentnervereinigung verzeichnet zunehmend ältere Konsolenspieler.

Nicht nur zum Spaß, auch für therapeutische Zwecke wird die Wii eingesetzt. In fünf münchner Seniorenheimen wurde eine Wii-Bowling-Meisterschaft ausgetragen, initiiert von zwei Sozialarbeitsstudenten. Die Konsole wurde dabei auch mit Demenzkranken eingesetzt, um zu sehen, ob damit soziale Schranken überwunden werden können. Auch das Training der motorischen und geistigen Fähigkeiten ist Ziel dieses Projekts. Trotz anfänglicher Skepsis bei den Heimbewohnern war das Interesse und die Begeisterung enorm. Viele können sich die Wii gar als Alternative zu den Karten- und Brettspielen vorstellen.

Obwohl das Bewegungspensum bei diesen Spielen beachtlich ist – ich konnte mich selbst davon überzeugen, inklusive leichtem Muskelkater am Folgetag – taugt das System leider nicht zum Abspecken, wie ein Spielemagazin schreibt. Das Resultat der Studie einer britischen Universität war, dass der typische Energieverbrauch von Wii-Spielern nur um ca. zwei Prozent höher im Vergleich zu Spielern anderer Konsolen liegt.

Die sportliche Betätigung kann also durch die Wii nicht ersetzt werden. Die Richtung stimmt jedoch. Das innovative Bedienkonzept kommt außergewöhnlich gut an und erschließt darüber hinaus neue Zielgruppen, wie Frauen und Senioren. Ob diese Plattform sich nun eignet, mit Spaß am Spiel auch gesünder und fitter zu sein, wird sich zeigen. Vielleicht ist das neue Fitnessboard von Nintendo, Wii Fit die Lösung? Mehr dazu gibt es hier in Kürze.

Tom Ulmer am 13.02.2009 um 09:25 Uhr